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Freihandelsabkommen

Das Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Australien wurde am 24. März 2026 geschlossen.

European Union and Australia Flags
Aleks Taurus / Adobe Stock

Was Sie über das Freihandelsabkommen wissen müssen

Nach dem historischen Abschluss der achtjährigen Verhandlungen am 24. März 2026 wird das Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Australien (EU-A-FTA) die bilateralen Handelsbeziehungen grundlegend verändern, die bereits ein jährliches Handelsvolumen von 83 Milliarden US-Dollar (49,4 Milliarden Euro) bei Waren und 64 Milliarden US-Dollar (38,1 Milliarden Euro) bei Dienstleistungen aufweisen. Über die Zahlen hinaus stärkt das EU-A-FTA langjährige wirtschaftliche Beziehungen und bekräftigt das gemeinsame Bekenntnis zum regelbasierten Handel inmitten zunehmender globaler Spannungen.

 

Was Sie jetzt schon tun können

Unternehmen sollten nicht warten, bis das Freihandelsabkommen vollständig umgesetzt ist, um zu reagieren. Wettbewerbsvorteile können sich bereits frühzeitig ergeben.

Schon heute können Sie sich die folgenden Elemente gemeinsam mit uns anschauen:

  • Anpassung von Import- und Exportstrategien 
  • Analyse der Lieferketten
  • Prüfung potenzieller Zollvorteile
  • Durchführung von Präferenzkalkulationen

 

Melden Sie sich gerne bei Max Schnarr (max.schnarr@germany.org.au), wenn wir Sie weiter unterstützen können.

Was bedeutet das für Sie als deutsches Unternehmen?

  • Noch attraktivere Chancen, die auf langfristigem und stabilem Wachstum sowie der wachsenden Bedeutung Australiens im asiatisch-pazifischen Raum aufbauen
  • Strategische Zusammenarbeit in Schlüsselbereichen wie Rohstoffe, Energie, Sicherheit und Verteidigung sowie Forschung
  • Einfachere Einfuhr von Produkten – jährliche Einsparungen in Höhe von 1,68 Milliarden Dollar (1 Milliarde Euro) für europäische Unternehmen
  • Förderung von Investitionen bei beiden Handelspartnern
  • Vereinfachte Verfahren in Bezug auf Normen und Einfuhrbestimmungen
  • Erweiterte Regelungen für die Entsendung von Fachkräften zu geschäftlichen Zwecken
EV Battery Pack Automated Production Line Equipped with Orange Robot Arms. Modern Electric Car Smart Factory. Row of Advanced Robotic Arms inside Bright Plant Assemble Battery for Automotive Industry
IM Imagery // Adobe Stock

Was bedeutet das für Sie als australisches Unternehmen?

  • Abbau von Hindernissen für die Geschäftstätigkeit in Europa – 97,8 % der australischen Waren erhalten zollfreien Zugang
  • Zugang zu Dienstleistungen und öffentlichen Aufträgen
  • Zugang zu 450 Millionen Verbrauchern, der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt mit einem BIP von 30 Billionen Dollar.
  • Möglichkeiten für öffentliche Aufträge im Wert von über 845 Milliarden Dollar jährlich.
  • Australiens reales BIP kann bis 2030 um bis zu 7,8 Milliarden Dollar steigern
  • Beginn der formellen Verhandlungen über die Inkludierung Australiens mit „Horizon Europe“
Solar panel farm in South Australia
myphotobank.com.au // Adobe Stock

Informationen auf einen Blick

Zölle

Das Abkommen beseitigt über 99 % der Zölle auf EU-Exporte nach Australien und gewährt 98 % der australischen Waren zollfreien Zugang zur EU. Während die meisten Industriezölle sofort abgeschafft werden, erfolgt für 2 % der EU-Exporte eine schrittweise Abschaffung über einen Zeitraum von fünf Jahren. Agrarprodukte (Rindfleisch, Schaf- und Ziegenfleisch, Milchprodukte) bleiben durch „sorgfältig abgestimmte“ Zollkontingente geschützt. Darüber hinaus sind bestimmte Stahlerzeugnisse von der Vereinbarung ausgenommen. Dieses Abkommen zielt darauf ab, den Handel zu diversifizieren und die Widerstandsfähigkeit der Lieferketten zu stärken.

Ursprungsregelung

Die EU und Australien haben Ursprungsregeln festgelegt, um sicherzustellen, dass nur Produkte, die innerhalb ihrer Grenzen „vollständig“ oder wesentlich verarbeitet wurden, für die Zollpräferenzen des Abkommens in Frage kommen.

 

Um die Zugänglichkeit – insbesondere für kleine und mittelständige Unternehmen (KMU) – zu maximieren, ist das Verfahren benutzerfreundlich und effizient gestaltet. Es nutzt moderne Dokumentationsstandards, die auf der Selbstzertifizierung durch die Unternehmen basieren, wodurch administrative Hürden abgebaut werden. Darüber hinaus können Anträge auf Präferenzbehandlung durch die Kenntnis des Importeurs über den Ursprungsstatus des Produkts unterstützt werden.

Standards

Das Abkommen baut Handelshemmnisse ab, die durch unterschiedliche technische Vorschriften und Normen entstehen. Durch die Priorisierung internationaler Normen und Transparenz senkt es die Kosten für die Einhaltung von Vorschriften, ohne dabei Abstriche bei der Sicherheit zu machen. Entscheidend ist, dass anerkannte EU-Stellen nun Konformitätsbewertungen für bestimmte Sektoren durchführen können, sodass EU-Unternehmen die Einhaltung australischer Vorschriften nachweisen können.

Mobilität von Fach- und Führungskräften

Das Abkommen enthält zudem fortschrittliche Bestimmungen zur Mobilität von Fachkräften zu geschäftlichen Zwecken, beispielsweise von Führungskräften oder Spezialisten sowie deren Familienangehörigen, die von EU-Unternehmen zu ihren Tochtergesellschaften in Australien entsandt werden. Ebenfalls werden Regelungen für EU-Fachkräfte implementiert, die für einen Zeitraum von bis zu sechs Monaten bestimmte Dienstleistungen in Australien erbringen. Des weiteren wird es Bestimmungen für Arten von Praktika mit einer Dauer von bis zu vier Jahren geben. Darüber hinaus werden Einreisekontingente für EU-Forscher (2.000 pro Jahr) und für die Tätigkeit von Ingenieurpraktikanten (1.000 pro Jahr) die Mobilität in innovativen Bereichen erleichtern.

Öffentliche Auftragsvergabe

Die EU und Australien haben den gegenseitigen Marktzugang über das WTO-Übereinkommen für das öffentliche Beschaffungswesen hinaus erheblich ausgeweitet. Australien ermöglicht es EU-Unternehmen nun, sich bei Ausschreibungen von rund 60 weiteren Einrichtungen des Commonwealth und der Bundesstaaten ohne Nachteile gegenüber einheimischen Unternehmen zu bewerben.

 

Eine zentrale Bestimmung stellt sicher, dass kleine und mittlere Unternehmen (KMU) aus der EU nicht diskriminiert werden, wenn Australien bevorzugte KMU-Maßnahmen anwendet. Im Gegenzug hat die EU australischen Anbietern den Zugang zu allen Waren und Dienstleistungen der Zentralregierung gewährt, die zuvor nicht unter das GPA fielen, sowie zu öffentlichen Versorgungsaufträgen speziell im Schienenverkehrssektor.

Horizon Europe

Australien und die Europäische Union haben formelle Verhandlungen aufgenommen, um Australien bis 2027 an „Horizon Europe“, dem weltweit größten Förderprogramm für Forschung und Innovation, zu beteiligen. Mit einem enormen 7-Jahres-Budget von 155 Milliarden Dollar (95,5 Milliarden Euro) stellt „Horizon Europe“ (9. Rahmenprogramm) die am stärksten integrierte Form der wissenschaftlichen und technologischen Zusammenarbeit zwischen der EU und Nicht-EU-Staaten dar.

 

Die Assoziierung markiert einen strategischen Wandel von der bloßen Teilnahme hin zu einer „führenden“ Rolle. Zum ersten Mal können australische Forscher, Industrie und Unternehmen direkte Fördermittel erhalten, um internationale Projekte zu leiten. Dieser Status ermöglicht es Australien, sich an groß angelegten Innovationsvorhaben zu beteiligen, die im Alleingang nur schwer zu realisieren wären, und sich einem Netzwerk von 20 weiteren assoziierten Nicht-EU-Ländern anzuschließen.

Das Freihandelsabkommen hat Auswirkungen auf alle Branchen; nachstehend finden Sie die Auswirkungen auf einige ausgewählte Branchen

Energie & Rohstoffe

Das Kapitel „Energie und Ressourcen“ (ER) schafft einen umfassenden Rahmen, um einen nachhaltigen und ungehinderten Handel, sowie Investitionen zwischen der EU und Australien zu gewährleisten.

 

Als führende Nation im Energiebereich spielt Australien eine zentrale Rolle in diesem Kapitel, dessen Schwerpunkt auf der Schaffung gleicher Wettbewerbsbedingungen für Rohstoffe liegt, indem die EU befähigt ist durch einen Mechanismus Doppelpreisbildungen abzuschwächen.

 

Zu den wichtigsten Inhalten des Kapitels gehören:

  • Marktgerechtigkeit: transparente, diskriminierungsfreie Lizenzvergabe für die Rohstoffexploration und einen fairen Zugang zu Energietransportnetzen, die von unabhängigen Regulierungsbehörden verwaltet werden.
  • Energiewende: Priorisiert Investitionen in erneuerbare Energien und erleichtert deren Integration in bestehende Stromnetze, um die weltweite Dekarbonisierung zu unterstützen.
  • Umweltstandards: Formelle Einbeziehung internationaler Grundsätze (Aarhus- und Espoo-Konventionen), die Umweltverträglichkeitsprüfungen und die Beteiligung der Öffentlichkeit bei allen Rohstoffprojekten vorschreiben. Außerdem werden Sicherheitsmaßnahmen zur Verhinderung von Unfällen bei der Offshore-Öl- und Gasförderung vorgeschrieben.
  • Strategische Zusammenarbeit: Verpflichtung beider Parteien zu verantwortungsvollem Vorgehen im Bergbau und zur Integration von Rohstoffwertschöpfungsketten durch mögliche gemeinsame Investitionen und Forschung.

 

Durch die Angleichung regulatorischer Standards und die Förderung von Innovationen schafft dieses Kapitel eine strategische Grundlage für langfristige Projekte im Bereich kritischer Mineralien und erneuerbarer Energie. Es fördert die Chancen zwischen Australiens enormem Ressourcenreichtum und seinen begrenzten inländischen Verarbeitungskapazitäten, indem es Europa als idealen Partner positioniert, der die erforderliche Technologie und einen Absatzmarkt bereitstellt.

Landwirtschaft

Australische Exporte in die EU

Australien sichert sich einen Ausbau des Marktzugangs für rotes Fleisch. Die Rindfleischkontingente verachtfachen sich auf 35.000 Tonnen, während der Marktzugang für Schaffleisch um das Fünffache auf 30.851 Tonnen steigt. Im Bereich Obst- und Gemüseanbau  werden die Zölle für wichtige Sorten, sowie Nüsse wie Macadamianüsse vollständig abgeschafft. Im Milchsektor hebt die EU die Zölle bei  87,3 % der Produkte auf und gewährt zollfreien Zugang für Käse und Milchpulver sowie spezifische Kontingente für Butter und proteinreiche Molke.

 

EU-Exporte und geografische Angaben 

Die EU erzielt erhebliche Zollersparnisse, insbesondere bei Käse (20 Millionen Euro), Wein (16 Millionen Euro) und Süßwaren. Ein großer Erfolg für die EU ist der Schutz von geografischen Angaben (g.A.); Australien wird nun 231 g.A. für Weine und Spirituosen sowie 165 g.A. für Lebensmittel rechtlich schützen. Aus Deutschland sind 35 Namen geschützt darunter Nürnberger Bratwürste und Schwarzwälder Schinken.

 

Schutzmaßnahmen

Zum Schutz der europäischen Landwirte sieht das Abkommen Mengenbeschränkungen für sensible Waren wie Zucker und Reis vor. Importe müssen alle EU-Gesundheits- und Sicherheitsstandards erfüllen, und „verstärkte Schutzmaßnahmen“ können ausgelöst werden, wenn Importanstiege den EU-Markt erreichen.

Automobilindustrie

Europäische Automobilhersteller werden von der Abschaffung des australischen Einfuhrzolls in Höhe von 5 % profitieren. Zudem wird die Luxussteuer für Elektrofahrzeuge für Modelle, deren Preis einen Schwellenwert von 120.000 AUD (ca. 72.000 €) übersteigt, reformiert.

 

Auch australische Autoteilehersteller werden davon profitieren, da die EU-Zölle von bis zu 4,5 % auf ihre Exporte unmittelbar nach Inkrafttreten des Abkommens abgeschafft werden.

Sicherheit und Verteidigung

Die EU und Australien haben in Canberra eine Sicherheits- und Verteidigungspartnerschaft ins Leben gerufen und damit einen institutionellen Rahmen geschaffen, um den geopolitischen Herausforderungen zu begegnen. Die Partnerschaft, die von hochrangigen Vertretern, darunter der stellvertretende Premierminister Richard Marles und die Vertreterin der EU, Kaja Kallas, unterzeichnet wurde, bildet neben dem neu geschlossenen Freihandelsabkommen eine strategische Säule.

 

Das Abkommen konzentriert sich auf mehrere zentrale Säulen:

  • Operative Zusammenarbeit: Stärkung des gemeinsamen Krisenmanagements, der maritimen Sicherheit und der GSVP-Missionen durch gemeinsame Übungen und Schulungen.
  • Technologische Gegebenheiten: Aufbau eines Dialogs über Weltraumsicherheit und neue Technologien wie künstliche Intelligenz bei gleichzeitiger Koordinierung im Bereich der Nichtverbreitung von Atomwaffen.
  • Resilienz und Nachrichtendienste: verstärkter Informationsaustausch zur Bekämpfung von Bedrohungen, fremder Einflussnahme, Cyberangriffen und Terrorismusfinanzierung.
  • Regionale Stabilität: Unterstützung von Initiativen zum Kapazitätsaufbau, insbesondere im indopazifischen Raum, zur Stärkung der regionalen Resilienz.

 

Über die traditionelle Verteidigung hinaus zielt das Abkommen auf wirtschaftliche Sicherheit und die „Bekämpfung aller Formen von Hass“ ab. Für den privaten Sektor ist die Partnerschaft von besonderer Bedeutung, da sie durch die Vertiefung industrieller Beziehungen neue Möglichkeiten für die Beschaffung von Verteidigungsgütern sowohl für australische als auch für europäische Unternehmen eröffnet. Dieser flexible, zukunftsorientierte Rahmen ist nun in Kraft getreten und ermöglicht es beiden Parteien, ihre Zusammenarbeit an die Entwicklung globaler Sicherheitsbedrohungen anzupassen.

Bei Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung

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